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10 July 2017

Raum lassen für den richtigen Klang

von den Raumproportionen bis zum Helmholzresonator

Sag mal, machen wir die Wände jetzt schräg oder doch parallel? Und was ist mit der Decke - gab's da nicht was mit optimalen Raumproportionen? Und was ist dann mit den Akustikelementen? Wo müssen die eigentlich hin und welches ist wo am besten geeignet? Der Strom der zu klärenden Fragen scheint nie abzureißen und jede einzelne zählt! Denn am Ende soll sie so perfekten wie möglich klingen, unsere Mastering Regie.

 

In den letzten Monaten ist der Studiobau gut gediehen. Wir werfen im folgenden Beitrag einen Blick zurück auf die Konstruktionszeit und beleuchten die Phasen vom Trocken- bis zum Innenausbau. Dabei legen wir auch ein kritisches Auge auf die Planung und deren Umsetzung in die Realität.

 

Sechse Monate sind seit dem letzten Beitrag vergangen und wir stehen nun kurz vor dem Abschluss der Bauphase. Die noch offenen Schritte lassen sich mittlerweile an einer Hand abzählen. Was für ein gutes Gefühl! Doch erstmal zurück zum Jahreswechsel: Nach der Holztrocknungsphase haben wir mit dem Bau der Bodenplatte des Studios begonnen. Für die Konstruktion haben wir uns aus logistischen und statischen Gründen gegen Beton und für das Prinzip einer schwimmenden Holzbalkendecke entschieden. Diese 42qm Platte lagert auf Sylomerkissen die als Schwingungsentkoppler dienen. Mit einer Eigenfrequenz von 7 Hz im Mittel sind die Kissen so abgestimmt, dass sie keine Schwingung mehr an den Boden abgeben. Gefüllt wurde die Bodenplatte mit Sand und Mineralwolle und beherbergt zudem Kabelkanäle, Elektrik und Netzwerkleitungen. Allein die Bodenplatte bringt schon stattliche sechs Tonnen Eigengewicht mit sich. Masse heißt hier das Zauberwort zum Entkoppeln der wirklich tiefen Frequenzen.

 

Bodenplatte fertig? Wände drauf! Als erstes wurde der etwas komplizierte hintere Teil im Bereich der Tür gebaut, von dem aus wir Schritt für Schritt die restlichen Wände ansetzten. Für das Trockenbauskelett haben wir uns aus statischen Gründen bzgl. der Decke ebenfalls für Holz und nicht für Aluprofile entschieden. Die Wände wurden alle leicht schräg gestellt, um die Ausprägung einzelner Raummoden zu vermeiden und eine bessere Modenverteilung im Raum zu erreichen. Als Ausgang der Berechnung der grundlegenden Raumproportionen diente die so genannte „Bolt-Area“, welche die akustisch optimalen Raumverhältnisse beschreibt.

 

Beim Bau hat sich die Beplankung der Außenseite der Wände ein wenig kniffelig gestaltet, da umlaufend an den engsten Stellen z.T. nur 20cm Luft übrig blieb. Ein Winkelaufsatz, viel Geduld und etliche Tausend Schrauben später war aber auch dieser Schritt gemeistert. Nach einer erneuten Wartezeit durch Nachlieferung von Material und dessen Trocknung konnten wird die Wände schließlich mit Dämmwolle füllen und von innen mit Gipskartonplatten beplanken.

 

Im Zuge des Wandbaus wurde ein Thema sehr wichtig: die Klimatechnik. Denn aus einem Raum der schalldicht ist kommt für gewöhnlich keine Luft raus und auch nicht rein. Ein Klimagerät musste her! Gesagt, getan. Ran an die Wand damit, die Rohrleitungen montiert, Schalldämpfer eingesetzt und die Lufteinlässe in die Wand eingebaut. Jede Menge Isolierband, eine Steuerleitung und noch ein schlankes Wanddisplay dazu und schon kann man wieder atmen.

 

Was bleibt da noch? Ach ja, die Decke. Auch hier war Holz wieder das Material der Wahl. Da aus logistischen Gründen nur 4m Balken geliefert wurden, mussten wir die Deckenbalken verzapfen, um auf die entsprechende Länge zu kommen. Von unten wurden, wie auch bei den Wänden, Gipskartonplatten montiert, die Luftauslässe gesetzt, das ganze von oben mit Mineralwolle befüllt und dann mit OSB Platten geschlossen.

 

Die Wände waren fertig, die Deck drauf. Als letzter Trockenbau Schritt blieb noch Spachteln, Spachteln, und nochmal Spachteln! Nach gefühlten 10kg eingeatmeter Spachtelmasse konnte dann endlich Farbe auf die Wand gestrichen, das Laminat verlegt, die Türen montiert und die ersten Akustikelemente angebracht werden. Da ich den Akustikelementen gern ausführlich Platz einräumen möchte, werde ich das Thema der Raumakustik im nächsten Blog-Artikel behandeln.

 

Um an diesem Punkt ein Zwischenresümee zu ziehen kann man sagen, das wir alles in allem sehr gut durch die Bauphase gekommen sind. Es wurden kaum und nur unbedeutende Fehler gemacht. Wir konnten alles selbst bauen, ohne professionelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu müssen und haben dabei den großen Plan nicht aus den Augen gelassen. Natürlich sind gewisse Handgriffe nicht perfekt, Schnitte nicht aufs Grad oder Teile nicht auf den Millimeter genau. Aber die Regie steht und hört sich selbst im nackten Zustand schon großartig an. Es hat nur sehr viel mehr Zeit gekostet als anfänglich gedacht, teils durch Verzögerungen bei Lieferungen, nicht bedachten Trocknungsphasen oder schlicht aus mangelnder Freizeit.

 

- Johannes

 

30 December 2016

Wie war das jetzt nochmal mit dem Trockenbau?

Vom Tischler zum Statiker. Man lernt nie aus!

Jeder Tag ist für mich und die anderen ein neuer Lernprozess. Von Monotonie oder Langeweile keine Spur. Die Tage ziehen ins Land und das neue Studio wächst und gedeiht. Jetzt, sechs Wochen nach dem Baustart werde ich mit Dir einen aktuellen Blick auf die Baustelle werfen. Entgegen der Ankündigung aus dem vorherigen Beitrag werde ich die angedachten Themen, wie die Schalldämmung, die Raumkonstruktion und die akustische Behandlung des Raums auf einen zukünftigen Blogbeitrag vertagen. Wir schauen uns jetzt die Planung und deren Umsetzung an, blicken auf die kommenden Wochen und ziehen ein kleines Zwischenresümee zum Jahreswechsel.

 

Wie war das nochmal mit dem Rastermaß für Rigips-Platten? 62,5cm oder doch 60cm? Wenn man in die Verlegenheit kommt der Bauherr auf einer Baustelle zu sein und das nicht hauptberuflich macht, dann sind solche Fakten nur ein winziger Teil dessen, was man wissen sollte, wenn man sich so ein Großprojekt an die Beine bindet. Das erste was man lernt ist, dass nichts in Stein gemeißelt wurde und sich Pläne immer wieder verändern können. Auch wenn es keineswegs wie beim BER ist, bleibt auch hier die Zeit ein sehr dehnbarer Begriff. Die Fülle an kleinen Teilschritten und einzelnen Handgriffen, oder schlicht die eigene zur Verfügung stehende Freizeit, lassen einen immer wieder Termine verschieben und Deadlines nach hinten setzten. Genauigkeit ist hier ein hohes Gut, denn eins steht fest: Hier wird nichts zu Gunsten eines frühen Eröffnungstermins gemauschelt!

 

Begonnen haben wir vor sechs Wochen mit dem Vorrichten des Raumes. Einzelne Heizkörper mussten versetzt, bauliche Reste des Vormieters beseitigt, Wände neu verputzt und Teile der Elektrik zurückgebaut werden. Da der Raum mit 14x6m zu groß für nur eine bodenständige Mastering-Regie ist, entstand im Vorfeld die Idee, den ungenutzten Teil der Fläche als Büro, bzw. als kleinen Co-Working Space auszubauen. Im ersten Bauschritt haben wir den Raum geteilt und in den ersten drei Wochen eine Trennwand eingezogen. Bei einer Deckenhöhe zwischen ca. 5m und 6m war das eine ziemlich zeitfressende Herausforderung. Entscheidend dafür waren schlicht die große Fläche der Wand und das Thema der Schallemission aus dem späteren Studio in den Büroteil und das damit verbundene sehr genaue Arbeiten.

 

Im Zuge des Wandbaus wurden die Netzwerktechnik und die Elektrik verlegt. Um im Co-Working-Teil einen Full-Service anbieten zu können und die Raumhöhe sinnvoll zu nutzen, hatte sich die Idee einer Empore manifestiert, um einerseits die Fläche auf dem WC bzw. der Küche zu nutzen und zum anderen, um einen abgetrennten Meeting-Raum zu realisieren. Diese Empore haben wir in der dritten Woche begonnen und zum größten Teil vor Weihnachten fertiggestellt. Damit ist der grobe Rohbau des Co-Working-Teils abgeschlossen. Es bleiben jetzt nur noch kleine Restarbeiten und Fremddienstleistungen, wie die Verglasung des Meeting-Raumes und die Lieferung der Büroeinrichtung.

 

Mit der zweiten Materiallieferung des Studiomaterials in der Woche vor Weihnachten geht der Bau jetzt in den nächsten Abschnitt. Nach einer Trocknungsphase haben wir begonnen, die Bodenkonstruktion vorzubereiten. Im Januar startet dann der Studiobau, beginnend mit dem entkoppelten Boden, der Elektrik, der Klimatechnik, dem Studiowandbau hin zur Deckenkonstruktion. Ist der Rohbau abgeschlossen folgen der Innenausbau, die akustischen Behandlung des Raumes, angeschlossen von den ersten Messungen mit dem späteren Mastering-Systems. All diese Themen werden in den kommenden Beiträgen behandelt.

 

Das ist noch eine Menge nicht zu unterschätzender Arbeit, aber für jeden leidenschaftlichen Handwerker ist hier jeder Tag aufs Neue ein Traum! Ich freu' mich schon riesig darauf, das erste mal im neuen fertigen Studioraum zu Stehen, zu Hören und zu Genießen. Du bist dazu herzlich eingeladen! Wenn Du Dich für Details vom Bauprozess interessierst, kannst Du gern einfach eine Mail an johannes@feinklang-mastering.de schreiben oder einfach mal auf der Baustelle vorbei schauen. Eine Bildergalerie zum Beitrag findest Du auf unserer Facebookseite.

 

- Johannes

 

14 September 2016

Ein Masteringstudio vom Reißbrett

Auf in einen neue akustische Welt

Ein Studio selbst zu planen und zu bauen braucht vor allem eines – viel Zeit, sehr viel Zeit. Dazu kommt eine schier endlose Literaturrecherche, viele Termine mit Fachleuten, Zeichnen, Berechnen, erneute Konsultationen, Verwerfen und von Neuem beginnen. In diesem und den folgenden Artikeln werde ich Dir einen Einblick in die Planungsphase zum Neubau des Feinklang Mastering Studios geben, Dich über den aktuellen Baufortschritt auf dem Laufenden halten und aufzeigen wie nah Planung und Wirklichkeit beieinander liegen – oder eben doch voneinander entfernt sind.

 

Für eine perfekte Akustik ist eine detaillierte Planung essentiell. Wenn man einfach drauf los baut, in der Hoffnung, dass etwas brauchbares dabei raus kommt, ist die Wahrscheinlichkeit zu scheitern relativ groß. Beginnen wir also mit dem richtigen Raum. Für den akustischen Ausbau des neuen Studios ist eine Raum-in-Raum Konstruktion, zum Entkoppeln des Körperschalls vom Gebäude und zum Eindämmen der Schallemission von außen und nach außen, geplant. Der perfekte Klang im Studio selbst hängt dabei noch von vielen anderen Faktoren wie der Raumgeometrie, der frequenzspezifischen Nachhallzeit, der verwendeten Technik und deren Positionierung und vielen weiteren Faktoren ab.

 

Beginnt man bei der Raumgeometrie kommt es erstmal auf das grundlegende Verhältnis von Raumhöhe, Raumbreite und Raumtiefe an. Diese geben eine wichtige Aussage darüber, wie sich der Schall später im Raum verhalten wird, genauer: was sich für Moden im Raum entwickeln werden. Raummoden sind Überlagerungen und Auslöschungen von Schall, die im schlimmsten Fall den Höreindruck verzerren und somit unbrauchbar machen. Dabei betrachtet man in der Regel den Frequenzbereich unter 300Hz da dort die Wellenlängen so groß sind, dass sich die Wellen um normale Hindernisse wie Akustikelemente unbeeinflusst herumbiegen. Für eine optimale Modenverteilung empfiehlt sich dabei ein Blick auf die so genannte Bolt Area in der ebendiese genau beschrieben werden, basierend auf einer rechteckigen Raumgeometrie.

 

Ebenso wichtig wie diese Verhältnisse ist es, parallele Wände nach Möglichkeit zu vermeiden. Zum einen vermindert man damit stark ausgeprägte Moden und zum anderen kann man unerwünschten Flatterechos entgegenwirken. Über die letzten Jahrzehnte wurden viele verschiedene Konzepte und Normen entwickelt, nach denen man seine Regie dimensionieren und berechnen kann. Das Westlake- und LEDE-Prinzip, sowie die EBU R22-1998 seien dabei nur beispielhaft genannt.

 

Hat man sich für einen Ansatz entschieden und die finalen Wandverhältnisse und Dimensionen erörtert, geht es über die Schalldämmung und Konstruktion der Wände an die Innengestaltung und Platzierung von Akustikelementen, welche die Themen des nächsten Blogbeitrags werden.

 

- Johannes

 

09 July 2016

Mastern verschiedener Musikstile

Wird jede Musik gleich gemastert oder gibt es Unterschiede?

Mastern ist doch einfach nur am Schluss alles komprimieren und dann ab durch den Limiter - wo soll es da Unterschiede geben? Da dieses Bild vom Mastern ziemlich an der Realität vorbei schrammt, möchte ich in diesem Artikel die Notwendigkeit der unterschiedlichen Betrachtung von Genres und Werken beim Mastern beleuchten. Wir schauen dabei auf den Inhalt Deiner Musik, auf den Frequenzgehalt, die Dynamik und nicht zuletzt auf das Medium der Veröffentlichung.

 

Mastern ist, wie ich bereits in den vorherigen Artikeln beleuchtet habe, keineswegs eine bloße Dynamikbearbeitung. Mastern ist ein sehr vielschichtiger Prozess mit vielen kleinen Bestandteilen, die Deiner Musik an Ende das schöne Finish geben. Und so unterschiedlich wie die Künstler sind, so unterschiedlich ihre Musik ist, so muss sich zwangsläufig auch jedes Master unterscheiden.

 

Angenommen Du bist ein EDM Künstler, dann wird Deine Musik pauschal gesagt sehr viel Bass haben, viele Höhen und vergleichsweise weniger Mitten. Bist Du ein Jazz-Musiker spielt sich Deine Musik klassisch betrachtet eher in den Mitten und in den Höhen ab, aber vergleichsweise wenig im Subbassbereich. Ebenso unterscheidet sich die Dynamik: Während im EDM sehr stark komprimiert wird, um möglichst viel Punch und Lautheit zu erzeugen, wird im Jazz penibel darauf geachtet die von den Musikern gespielte Dynamik so authentisch und umkomprimiert wie möglich zu halten.

 

Geht man einen Schritt weiter und betrachtet das angestrebte Medium der Veröffentlichung, muss man schon bei ein und demselben Titel unterschiedliche Bearbeitungsweisen ansetzen. Wenn Deine Musik auf CD erscheinen soll, heißt das nicht auch automatisch, dass diese ohne Verluste in ein Steaming-Format (wie z.B. mp3, ogg oder m4a) wandelbar ist. Selbst die unterschiedlichen komprimierten Formate unterscheiden sich stark in ihrem Codec – hier ist auf jeden Fall Vorsicht und Knowhow geboten, da Deine Musik sonst schnell unerwünschte Audioartefakte bekommen kann. Als letztes unterscheidet man noch die Bearbeitung von Vinyl, bei der aufgrund der physikalischen Gegebenheiten des Vinyl und der Abtastung über die Nadel sehr genau auf die Dynamik, den unteren Bassbereich, gewisse Mittenfrequenzen und die Obertöne zu achten ist, da Dir sonst im schlechtesten Fall die Nadel von der Platte springt.

 

Zur eingangs gestellten Frage lässt sich daher zweifelsfrei sagen: So vielfältig die unterschiedlichen Genre und so vielfältig die einzelnen Künstler sind, so unterschiedlich sind auch ihre Werke. Eine pauschale Bearbeitung, quasi eine universales Master kann es und sollte es daher auch nicht geben. Anbieter wie LANDR können zwar passable Ergebnisse liefern, aber nichts kann den geschulten Engineer ersetzten der deine Werke versteht, hinterfragt und sie mit Dir zusammen formt. Mastern kann man zwar als reine Dienstleistung verstehen – im Optimalfall ist es jedoch ein gemeinsamer Schaffensprozess bei dem allen Beteiligten an einem Strang ziehen und gemeinsam etwas Größeres schaffen können.

 

- Johannes

 

03 June 2016

Proberaum- oder Studioaufnahme

Keller oder Profistudio: Was ist für welche Produktion die richtige Wahl?

Deine Titel sind fertig arrangiert und Du möchtest Deine Kreativität endlich auf ein festes Medium bringen – nur wo? Geht's daheim am Schreibtisch, bzw. im Proberaum oder gehst Du damit in ein professionelles Tonstudio? In diesem Beitrag möchte ich Dir ein wenig bei Deiner Entscheidung helfen, denn beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile und lassen sich kaum pauschal beantworten.

 

Als ersten Punkt muss man zur Antwortsuche bei Deiner Motivation beginnen: Wohin soll die Reise gehen? Steht Deine Platte später zum kommerziellen Verkauf im Laden oder willst Du sie nur für Dich und Deine Kumpel auf CD brennen? Was möchtest Du für einen Klang erreichen und was für eine Stimmung vermitteln? Was hast Du für technische Vorstellungen und was für Wünsche? Nicht zuletzt Spielen Zeit und Geld ebenso eine relevante Rolle wie eine dritte Meinung und ein objektives Auge auf das eigene Werk.

 

Die Proberaum- bzw. Heimstudioproduktion birgt auf erste Sicht natürlich ganz klar den finanziellen Vorteil: Eine Recording-Software, ein Interface und Mikrophone sind schnell und vergleichsweise kostengünstig besorgt. Es gibt für alles im Netz eine Hülle und Fülle an DIY Tutorials und How-to Videos. Letztlich musst Du Dir jedoch alles Wissen über die An- und Verwendung Deiner Technik selbst aneignen und das kostet sehr viel Zeit. Der positive Nebeneffekt: Du lernst damit auch für alle zukünftigen Produktionen und lernst Deine Wünsche in technischen Begriffen auszudrücken. Letztlich besteht aber trotzdem die Gefahr, dass Du trotz aller Tutorials und Nächte, die Du an Deinem Mix gesessen hast, immer noch unzufrieden bist. Was beim Ein-Mann-Musiker/Engineer/Producer fehlt, ist die objektive Betrachtung, weshalb sich schnell kleine Fehler einschleifen können, die Du schlichtweg überhörst.

 

Im Studio hingegen geht’s etwas straffer zu. Die Anspannung ist im Vergleich zur gemütlichen Proberaum-Atmosphäre natürlich höher, weil hier in der Regel das Geld die verfügbare Zeit festlegt. Allerdings gibst du Deine Kunst hier auch in fähige und erfahrene Hände, die deutlich schneller wissen, wann welcher Knopf gedrückt und was wie aufgenommen werden muss. Ein zuverlässiges System und eine gute Ausstattung, gepaart mit Erfahrung und Know-how sind in der Regel der Garant dafür, dass am Ende genau das rauskommt, was Du Dir gewünscht hast, wenn nicht sogar noch besser.

 

Das professionelle Studio wird Dich natürlich in erster Betrachtung mehr Geld kosten. Aber nur aus finanziellen Gründen den Proberaum vorzuziehen, ist eine Milchmädchenrechnung, denn die musst Du mit ungleich mehr Zeit für Lernen, Probieren, Verwerfen und von Neuem Beginnen aufwiegen. Ist der Rohe und ungeschliffene Sound genau das, was Du willst, wird eine tief detaillierte High-End-Produktion kaum das Richtige für Dich sein. Eines gilt jedoch immer: Hol Dir für Deine Arbeit eine externe fachliche Meinung. Ein frisches, ungeprägtes Paar Ohren ist immer Gold wert!

 

- Johannes

 

02 May 2016

Stereo Master oder Stem Master

Über die Unterschiede, Vor- und Nachteile von Stereo und Stem Mastering

Beim Mastern unterscheidet man zwischen dem Bearbeiten einer einzelnen Stereo-Spur und dem simultanen Bearbeiten mehrerer Spuren, auch Stems genannt. In diesem Beitrag werde ich Dir die unterschiedlichen Vorteile und Nachteile beider Bearbeitungsmöglichkeiten zeigen und erklären wann welche Variante geeigneter ist.

 

Beim Stereo-Mastering liegt der ganze Titel in einer Summenspur vor. Beim Stem-Mastering hingegen wird der Titel nach dem Mixen in einzelnen Subgruppen exportiert und dann bearbeitet – z.B. eine Spur für Drums, eine für Gitarren und eine für Vocals.

 

Der Vorteil hierbei liegt in der detaillierten Bearbeitungsmöglichkeit. So kann man beim Stem-Mastering jeder Spur unterschiedliche Klang-, Dynamik- und Automationsanpassungen zukommen lassen, hingegen man beim Stereo-Mastering mit einem Bearbeitungsschritt immer in den gesamten Mix eingreift. Als nachteilig kann man die höhere Bearbeitungszeit sehen und die in der Regel höheren anfallenden Kosten für das Mastering. Wann macht also welche Variante Sinn?

 

Das Stem-Mastering ist durch die vielseitigen Bearbeitungsmöglichkeiten sinnvoller, wenn es beispielsweise noch Probleme im Mix gibt – z.B. sich überlagernde Instrumente (Kickdrum und Bass) oder zu sehr hervorstechenden Bestandteile (sehr dynamische Vocals bei einem weniger dynamischen restlichen Mix). Ein anderen Fall, bei dem ein Stem-Mastering vorzuziehen ist, wäre – insofern in Stems noch vorhanden – das Remastern früherer Aufnahmen. Ist der Mix an sich schon ausgewogen genügt in der Regel eine Stereo-Spur ohne große Abstriche in puncto Qualität in Kauf nehmen zu müssen.

 

- Johannes

 

11 April 2016

Keine Magie sondern Detailarbeit

Mastering ist keine Zauberei sondern das Zusammenspiel vieler wichtiger Details

Die wesentlichen Handgriffe beim Mastern lassen sich auf ein paar essentielle Dinge runterbrechen: Hören - Verstehen - Bereinigen - Anpassen - Abschließen. So wichtig wie diese grundlegenden Schritte ist auch deren Reihenfolge.

 

Wenn man einen Titel mastern möchte macht man als erste was? Richtig! Man hörst sich das Ausgangsmaterial in seiner gewohnten Hörumgebung an und macht sich ein klares Bild davon, was im Mix vor sich geht. Welche Instrumente sind im Mix? Sind einzelne Teile überpräsent, gehen andere unter? Was macht der Tiefbassbereich? Ist das Stereobild verschoben oder gerade? Gibt es hörbare Audioartefakte, Quantisierungsfehler oder Rauschen? Wie sieht es mit dem verbleibenden Headroom des Titels aus?

Zur Analyse gehört auch, sich mit der Intention des Künstlers und der des Mixing Engineers auseinanderzusetzen. Was ist die Aussage des Titels? Welche Instrumente spielen die größte Rolle? Welcher Höreindruck soll entstehen? Wie steht es um Dynamik und Lebendigkeit im Titel? All die Fragen sind wichtig, damit man sich einen Plan machen kann, was man mit dem Titel machen wird. Mann kann vieles schon raushören, aber es lohnt sich immer, zum Telefon zu greifen und einfach mal nachzufragen. Wenn alle den selben Weg gehen, kann das für die Produktion nur zuträglich sein!

 

Als nächsten Schritt geht es ans Bereinigen. Gibt es störende Frequenzbereiche oder Unausgewogenheiten, beispielsweise herausstechende Töne im Bassbereich? Dabei gilt immer: Frequenzen ziehen, nicht hinzugeben! Es gilt den Müll rauszubringen und nicht noch mehr reinzuholen, um das bisherige zu kaschieren. Zum Bereinigen gehören zudem Rauschen, Klicks und sonstige Störgeräusche zu entfernen, Panoramafehler zu korrigieren und Phasenprobleme zu beseitigen.

 

Ist das getan und der Titel sauber, kommt der handwerklich kreative Teil. Es gilt den Titel dem Plan entsprechend anzupassen. Normalerweise fängt man mit der Klangformung mittels Equalizer an, um dem Titel den beabsichtigten Klangcharakter zu geben. Anschließend wird die Dynamik mittels Kompressoren bearbeitet, um die gewünschte Dichte der Musik zu erreichen. Danach folgen psychoakustische Effekte wie Stereoimager, Exciter oder Sättigungs-Effekte.

 

Als Abschluss ergibt sich die Möglichkeit eines weiteren Post-EQs für finale Summeneingriffe, um beispielsweise mehrere unterschiedliche Titel eines Albums soundmäßig aneinander anzugleichen. Als ein weiterer finaler Schritt besteht die Option dem Titel Hall hinzuzufügen. Ist der Plan damit komplett abgehakt, wird über einen weiteren Dynamikeingriff mittels Limiter, Maximizer oder Multibandkompressor die gewünschte Lautheit geschaffen. Anschließend werden im Falle eines Album die Titel mit einem Auge auf den sich ergebenden dynamischen Gesamtverlauf arrangiert, Metadaten werden geschrieben und dann kann die Scheibe ab ins Presswerk.

 

Sollte mal nicht alles wie geplant klappen, dann hilft es immer ein paar Schritte zurückzugehen und jeden Schritt zu hinterfragen. Auch wenn's plakativ klingt, aber oft ist weniger auch tatsächlich mehr.

 

- Johannes

 

08 April 2016

Am Montag geht's los!

Zeit für einen Blog!

Ab Montag den 11.4. wird hier regelmäßig an jedem ersten Montag im Monat ein kurzer Fachblog zu Themen aus der Audiowelt erscheinen. Du willst ein bestimmtes Thema beleuchtet haben? Dann gib uns Bescheid über unser Kontaktformular oder direkt an johannes@feinklang-mastering.de und lass uns wissen, was Du wissen willst!

 

- Johannes