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30 March 2020

INCORPORATING VOCALS

MIXING VOCALS TO A MASTERED BEAT

 

Beat & Lyrics? Check! Recording? Check! Mixing? Ufff… Nach der 35. “finalen Version” stellst du fest, dass deine Vocals immer noch nicht richtig zum Beat passen und eher unnatürlich on top sitzen. Dir fehlt der Kleber, das organische Zusammenspiel, ein Gesamtsound der beides miteinander verbindet. Aber was tun? Blame it on the Plugins - nope! Mehr Reverb, mehr Kompression, lauter machen? Alles gute Ideen, aber bitte mit Plan.

 

Im Folgenden zeige ich dir einige Mixing-Ansätze, mit denen du deine Vocal Recordings auf dein Stereo Track Instrumental schmieden kannst. Wir gehen dabei auf verschiedene Kompressions Ansätze ein, schauen auf Reverb, Lautstärken und dynamisches EQing und sprechen über eine sinnvolle und strukturierte Arbeitsweise.

 

1. Kompression I - Vocals

 

Der Beat bzw. das Instrumental, das du verwendest, hat in der Regel schon irgendeine Master Chain und damit auch Kompression und Limiting durchlaufen. Wenn deine Vocals passend dazu klingen sollen, kommst du nicht drum herum, dich dieser Kompression anzunähern. Wie viel davon nötig ist, hängt ganz vom Ausgangsmaterial ab. Ich versuche immer zu vermeiden, dass die Vocals aus dem Mix herausspringen und bin stattdessen darauf fokussiert, sie in ihrer Lautheit so gleichmäßig wie möglich zu halten. Ein Kompressor, der nur die Spitzen abfängt, mit Ratio bis 6:1 bei einem geringen Threshold, ist ein hilfreiches Tool. Sollte ich später wieder Dynamik hinzufügen wollen, kann ich das auch über eine Volume Automation auf dem Vocal Track realisieren oder eine geringere Ratio wählen. Kombinierst du den ersten noch mit einem zweiten Kompressor, der mit einer geringeren Ratio, einer langen Attack- & Release-Zeit und einem tiefen Threshold eher wie eine große Umarmung wirkt, dann hast du ein sattes und durchsetzungsfähiges Endergebnis.

 

2. Reverb

 

Alle Bestandteile eines Mixes, außer die tiefen Bass-Elemente, brauchen einen räumlichen Bezug zueinander. Das geflügelte Wort heißt hier: Tiefenstaffelung. Dies erreichst du über den Oberton-Gehalt, Laufzeiten und das Dry/Wet-Verhältnis zum Reverb. Ich arbeite bei meinen Vocals gern mit verschiedenen Räumen, deren Klangcharakter so nah wie möglich am Reverb des Beats liegt. Klingt der Raum kurz oder lang, hell oder dunkel, sehr  echolastig oder trocken?

 

Mein Haupt-Reverb auf den Vocals ist oft kurz, knackig und dezent: unter einer Sekunde, recht schmal in der Stereobreite und mit einem großen Pre-Delay, damit die Raumantwort in den Hintergrund rückt. Zur Hook oder zum Chorus lege ich gern einen zweiten Reverb auf, der deutlich länger und breiter ist. Trotzdem bleibt das Pre-Delay ähnlich groß - die Stimme soll nicht in dem Raum gesaugt werden, sondern vorn bleiben. Um die Reflektionen noch interessanter zu gestalten, kannst du zusätzlich mit einem Delay arbeiten. 

 

3. Lautstärken

 

Du wirst bei deinem gemasterten Beat künstlich für Headroom sorgen müssen. Um weiteres Clipping bzw. mehr Kompression zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Beat gut 3 bis 6 dB leiser zu machen. Ich nutze dafür gern den Clip Gain oder rendere einen neuen Clip mit geringerem Gain.

 

Hier noch ein Ansatz, um deine Vocal-Gruppe ins richtige Lautstärke-Verhältnis zum Beat zu setzen: Wenn der Gesamtsound der Vocals fertig ist, dann pegel sie deutlich lauter als den Beat und nimm sie dann langsam zurück, bis du merkst, dass die anfangen, um Präsenz zu kämpfen. Gib wieder einen dB dazu und du hast einen guten Startpunkt für den Folgeschritt.

 

4. Dynamisches EQing

 

Damit der Beat noch etwas smoother um die Vocals spielt, schaffen wir uns jetzt eine frequenzielle Lücke, dort wo die Vocals klanglich am stärksten durchschneiden. Nimm dir einen beliebigen EQ auf den Vocals und sweepe mit einem schmalen Band durch den Mittenbereich. Zwischen 1 kHz und 3 kHz solltest du einen Spot finden bei dem deine Vocals besonders herausstechen. Merk dir die Frequenz und geh zu deinem Beat. Nimm dir einen dynamischen EQ und setze dir ein Band genau auf diesen Frequenzbereich. Attack und Release dürfen kurz sein. Nutze deinen Vocal Track als Sidechain Input, um den dynamischen EQ zu triggern und reduziere dadurch ca. 3 dB. Jetzt macht dein Beat jedes mal Platz, wenn deine Main Vocals kommen.

 

Tipp: Es kann sehr hilfreich sein, die Stereobreite vom Beat etwas schmaler zu machen, damit die Signale an den Seiten nicht zu stark von der Mitte ablenken.

 

5. Kompression II - Bus Kompression

 

Um die Vocals noch etwas satter und voluminöser zu machen, kannst du deine Vocal-Gruppe nochmal mit eine Parallelkompression anfetten. Schicke sie dazu auf einen separaten Bus, welchen du dann dazu mischst. Dein Kompressor darf hier ruhig extrem arbeiten - hohe Ratio, kurze Attack & Release, hoher Threshold. Was auch noch helfen kann, ist auf dem Parallel-Compression-Bus (PCB) eine Mitten-Anhebung zu machen.

 

Tipp: Hast du das Gefühl, dass dein Beat auch noch ein bisschen Parallel Kompression vertragen kann, kannst du ihn mit einem geringeren Send zusätzlich auf den PCB schicken.

 

Schlusswort

 

Alle weiteren Schritte würde ich zum Mastering zählen und damit hier nicht mehr drauf eingehen. Der hier vorgestellte Ansatz ist nur einer von vielen. Wenn es für dich funktioniert, dann freue ich mich, wenn ich dir helfen konnte. Wenn nicht, dann wirst du einen anderen Weg finden!

 

- Johannes

 

13 March 2020

DABEY

CIRCLES TRILOGY & REMIX EP

 

Im Laufe des letzten Jahres (Juni/19, August/19, Oktober/19) hat Fränk aka Dabey seine “Circles” Trilogie veröffentlicht. Und als wären die drei Scheiben noch nicht genug, gab’s Anfang diesen Jahres (Februar/20) nochmal eine Remix EP mit vier Tracks aus der Trilogie oben drauf. “Circles” kommt daher mit einem breiten Klangspektrum aus jazzigen Vibes, spacigen Synths und Fränks unikater Art Samples zu bearbeiten. Neben ihm geben sich weitere Artists die Ehre, unter anderem Klinke auf Cinch, Libertree und Phlocalyst. Die Alben sind der perfekte Soundtrack für entspannte Stunden und machen Freude auf den kommenden Sommer. Absolute Hörempfehlung, gerade in diesen unruhigen Zeiten!

 

Eine persönliche Randnotiz: Ich begleite Fränk bei mir im Studio seit seinem ersten Full Lenght Album "Feelantrop". Wir sind über die Jahre Freunde geworden und es ist mir eine Herzensangelegenheit, ihn hier nochmal ins Spotlight zu stellen.

 

- Johannes

 

Links zum Artist:

Web https://www.ichbindabey.de/

Facebook www.facebook.com/dabeyofficial/

Instagram www.instagram.com/_dabey_/

Youtube www.youtube.com/channel/UCa6t2U_D01SKeJFYr9qd0BQ

Soundcloud soundcloud.com/dabey

 

28 February 2020

MIXING IN MONO

TO FIND SPACE FOR EACH INSTRUMENT

 

Die Aufnahmen sind gemacht, du hast deine Spuren editiert und willst jetzt deinen Sound finden - dann los! Du formst jedes Instrument, legst alles im Panorama an, setzt deinen Hall drauf und bist mit jedem Sound an sich zufrieden, aber dann … Als du den gesamten Mix an machst, fällt das Kartenhaus in sich zusammen. Keine Definition, alles verwaschen, die Vocals sitzen nicht im Mix, der Bass dröhnt und von den Keys hörst du gar nix mehr. Was tun, um dieses Durcheinander zu vermeiden?

 

Zum Problem der Frequenz-Überlagerung und einem ganz anderen Gesichtspunkt, nämlich den heutigen Hörgewohnheiten der meisten Musikkonsumenten möchte ich dir einen Denkanstoß geben, der mir beim Mixen geholfen hat und dir zeigen, warum gerade dieser aus meinen Augen heute immer mehr an Bedeutung gewinnt: Mixing in Mono.

 

Und damit keine Verwirrung entsteht gleich vorab: Nein, ich möchte meine Mixe nicht in Mono halten, sondern habe natürlich einen Stereo-Mix als Ziel. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Mono-Attraktivität und das Mixing aus Mono heraus für mich aus zwei wesentlichen Gründen:

 

1. Frequenz-Überlagerung

 

Du bist im Mono-Mix gezwungen durch Pegel und Frequenz für jedes Instrument einen eigenen Bereich zu definieren, in dem es sich nicht mit den anderen Instrumenten in die Quere kommt oder negativ überlagert. Das lässt sich, wenn man z.B. Gitarren gleich im Panorama hart rechts, links anlegt, deutlich leichter verstecken, weil es dort die räumliche Trennung gibt.

 

Geh deinen Mix Schritt für Schritt an und lege dir alle Spuren im Panorama in die Mitte - auch Stereo-Spuren. Fang mit der Rhythmus-Sektion an und forme die einzelnen Elemente. Sobald diese stehen, kannst du anfangen, weitere Elemente hinzu zu mischen. Entstehen Probleme, wenn du ein neues Instrument in deinen Mix einfügst? Nein? Sehr gut! Wenn ja, dann weißt du, dass du in dem neu Hinzugefügten einen Frequenzbereich dämpfen musst, der sich mit deinen bisherigen Instrumenten überlagert (klassisch z.B. bei Bass und Gitarre im Bereich zwischen 150 und 350Hz).

 

Wenn du deinen fertigen Sound gemixt hast, kannst du ihn in Stereo erweitern und hast einen sauberen, aufgeräumten Mix. Dessen Bestandteile sind, wenn du es mit der Stereobreite nicht übertreibst, auch auf einem Mono-Gerät abgespielt, alle noch einzeln herauszuhören. Womit wir bei der eigentlichen Problematik sind: den heutigen Hörgewohnheiten.

 

2. Hörgewohnheiten

 

Laut der „Studie zur Zukunft der Musiknutzung 2018 – 2020“[1], publiziert im September letzten Jahres, hören fast die Hälfte (ca. 43%) der Nutzer ihre Musik direkt über ihre Smartphone-Lautsprecher, Tablets oder Smart Speaker – Geräte, denen man kein wirkliches Stereo-Bild zusprechen kann. Gerade hier macht ein Mono-attraktiver Mix Sinn. Ich schreibe ganz bewusst nicht Mono-kompatibel, weil es mir nicht ums UKW Küchenradio geht, sondern darum, einen Denkanstoß zu geben, den eigenen Mix nicht in die Überbreite zu treiben oder einzelne Elemente im Panorama zu hart aus der Mitte zu schieben. Die Entscheidung dazu ist eine Philosophie-Frage und natürlich auch stark zielgruppen- und genreabhängig.

 

Für mich und meine Arbeit stehen die Qualität und das fertige Produkt im Fokus und dafür möchte ich meinen Mix möglichst gut vorbereiten. Mixing in Mono oder Mixen aus Mono heraus kann hierfür ein gutes Mittel sein.

 

- Johannes