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10 June 2020

HOW TO USE REVERB

 

 

“Der Weltraum, unendliche Weiten.” - Das ist tatsächlich keine weit hergeholte Einleitung, denn beim Thema Reverb sind Verständnislücken und Fragen zur richtigen Anwendung so dicht wie die Schwärze da draußen. Ich möchte mit dir einen Schritt ins Dunkel wagen und dir mit diesem deep dive zeigen, wie du Reverb effektiv nutzen kannst, um deinen Mix in ein homogenes Klangbild zu verwandeln.

 

Parameter und Verlauf des Reverb

 

Die Kernbestandteile, mit denen man jeden Hall beschreiben kann, sind Time oder auch Reverb Time (RT) genannt, Pre-Delay oder auch Initial Time Delay (ITD), die Early Reflections (ER), der Reverberation, auch Tail genannt und bei Plugins das Dry/Wet Verhältnis bzw. das Mix Level. Auf die unzähligen weiteren Parameter wie Diffusion, Shape, Distance, Spread uvm. möchte ich hier nicht eingehen, weil sie sich von Reverb zu Reverb unterscheiden, z.T. nur kleine Klangänderungen mit sich bringen oder schlicht gar nicht vorhanden sind.

 

Betrachtest du einen Reverb Verlauf auf seiner Zeitachse kommt zuerst, das Pre-Delay, also die Lücke zwischen dem 0-Punkt, sprich dem Impuls des Originalsignals, und den ersten Reflektionen. Die darauf folgenden Early Reflections (ER) sind die am ersten von den virtuellen Wänden zurückkehrenden Echos. Damit ist des Pre-Delay unter anderem dafür da, um zu definieren, wo sich unser Instrument im Raum befindet. Reverb oder Tail beschreibt den Nachhall, der nach den Early Reflections kommt. In der Akustik spricht man hier vom Diffusschall. Reverb Time (RT) in Sekunden bzw. Millisekunden beschreibt die gesamte Abklingdauer des Reverb vom initialen Originalsignal bis zum vollständigen Abklingen.

 

 

Damit sind die Grundbestandteile eines jeden Reverbs beschrieben. Aber was kannst du in der Praxis damit anfangen?

 

Anwendung von Reverb

 

Ein wichtiger Punkt vorab für deine Mixing Struktur: Ein Reverb ist kein Ersetzungseffekt wie z.B. ein Kompressor oder EQ, sondern ein Zumisch-Effekt. Damit hat der Reverb, außer in wenigen Ausnahmefällen, auch nichts auf z.B. einer Vocal Spur zu suchen, sondern sollte über einen separate Bus hinzugefügt werden. Wichtig dabei ist, dass du im Reverb darauf achtest, dass das Dry/Wet Verhältnis auf 100% Wet steht. Dann kannst du deinen Reverb Bus ganz einfach über den Fader hinzu mischen. Der entscheidende Vorteil hierbei ist, dass du in einem großen Projekt so zusätzlich CPU Ressourcen sparen kannst und die Anteile der jeweiligen Spuren am Reverb einfach über deren Send definierst.

 

So weit so gut, aber wie bekommst du deine Instrumente jetzt im Raum verteilt?

 

Tiefenstaffelung

 

Wie schon eingangs erwähnt, ist das Pre-Delay unter anderem dafür verantwortlich wie nah oder weit weg ein Signal für den Hörer wirkt. Soll das Signal nah, also sehr direkt wirken, muss das Pre-Delay groß sein. Je weiter du in den Raum hinein gehst, umso kleiner wird das Pre-Delay. Um das akustische Erlebnis noch authentischer zu machen, solltest du darauf achten hier auch noch das Level deines Reverb anzufassen und einen Blick auf den EQ des Originalsignals zu werfen.

 

Zusammengefasst - Elemente vorn im Raum sind lauter, haben in Summe weniger Reverb, ein großes Pre-Delay und mehr Obertöne; Elemente hinten im Raum sind leiser, haben in Summe mehr Reverb, ein kleines Pre-Delay und weniger Obertöne.

 

Empfehlungen und Tipps

 

- Verwende nicht zu viel Reverb! Kurze Räume mit Zeiten von unter einer Sekunde sind das perfekte Fundament für einen homogenen Klang. Zu große Räume auf allem lassen deinen Mix schnell undefiniert und verwaschen klingen. Ich denke da gern an Kleber: Ein bisschen hier und da hält alles perfekt zusammen. Nimmst du zu viel, fängt er an überall raus zu quellen.

 

- Denke daran, dass der Reverb durch Summen-Kompression und Limiting immer mit hoch geholt wird (Stichwort Mastering). Weniger ist mehr!

 

- Lege einen Low- & High Cut auf deinen Reverb Bus vor dem Reverb Plugin und schaffe dir zusätzlich im EQ in den Mitten Platz, damit du dem eigentlichen Instrument keine Präsenz stiehlst. Nichts ins nerviger als ein Reverb der sich in den Vordergrund drängen möchte!

 

- Ein weiterer Trick in diese Richtung ist, deinen Reverb mit einem sanften Ducker (Sidechain Kompressor) zu versehen. Jedes mal, wenn z.B. deine Lead Vocals kommen wird der Vocal Reverb um 3dB weggedrückt. Das räumt auf!

 

- Was man zum Punkt Tiefenstaffelung zusätzlich noch machen kann, ist für Elemente hinten im Raum einen längeren Reverb zu verwenden und die Elemente vorn im Mix mit einem kurzen Reverb zu versehen. Das hilft der Aufgeräumtheit vorn und schafft hinten mehr Fläche.

 

- Für die extra Portion Charakter kannst du deinen Reverb über Saturation einfärben. Das funktioniert vor und nach dem Reverb Plugin sehr unterschiedlich und führt zu sehr verschiedenen Klang Ergebnissen. Probier’s aus!

 

- Was noch sehr wertvoll für die Lebendigkeit deines Tracks sein kann, ist in Strophe und Chorus verschieden große Räume zu wählen. Ich versuche immer nicht nur durch Lautstärke und Stereobreite, sondern dem Chorus auch durch eine größere räumliche Tiefe Kraft zu geben.

 

- Abschließend noch ein kleiner Kniff für deinen nächsten Drum Mix: Leg einen langen und dunkel klingenden Reverb auf deine Snare und komprimiere diesen sehr stark. Mische diesen dann zusätzlich zu deinem allgemeinen Drum Reverb hinzu und hebe so den Grundton und das Sustain deiner Snare hervor.

 

Das Feld von spezifischichen Tipps und Tricks ist enorm umfangreich und leider zu viel, um diesen Blog Beitrag in einem sinnvollen Umfang zu halten. Solltest du zu deinem individuellen Mix in puncto Reverb eine spezifische Frage oder ein Problem haben, schreib mit gern eine Mail. Ich freue mich auf unseren Austausch!

 

- Johannes

 

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