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29 July 2020

MASTERING WITH BASICS

 

 

Um gleich mit den Grundlagen einzusteigen, fangen wir bei den Aufgaben des Masterings an und formulieren daraus die richtigen To-Dos für deinen eigenen Arbeitsprozess. Im Mastering soll der Track in erster Linie auf die gewünschte Lautheit gebracht, kleine klangliche Unebenheiten geglättet und der Sound so geformt werden, dass er zur gewünschten Referenz passt. Weiterhin gehören zum Mastering Aufgaben, wie Rauschen und Knackser zu reduzieren, auf technische Aspekte wie Mono-Kompatibilität und ein ausgewogenes Stereo-Bild zu achten und den Track auf das entsprechende Abspielmedium zu optimieren.

 

Um all das zu bewerkstelligen, brauchst du optimalerweise Analyzer, EQs, dynamische EQs, Kompressoren, Harmonic Tools, Limiter oder Maximizer, Clipper, Stereo-Widener, Dither uvm. Aber wenn man es wirklich mal runter bricht, brauchst du für ein Basic Master nur ein paar EQs, evtl. De-Esser und Kompressoren. Echt? Na ja, fast. Schauen wir doch erstmal, welche Schritte du im Mastering Prozess durchläufst:

Der Mastering Prozess

Zuerst musst du PLANEN wofür du deinen Titel masterst, sprich Spotify, CD, Vinyl oder gar Tape? Wie ist deine Referenz und was kannst du daraus als technisch Vorgaben ableiten?

 

Dann gehst du im zweiten Schritt ans AUFRÄUMEN deines Tracks. Du ziehst mittels EQ das raus was dich stört, wie z.B. einzelne Noten im Bass die herausstechen. Hier kannst du neben einem EQ auch schon einen De-Esser einsetzen, wenn dir z.B. die Vocals zu spitz wirken.

 

Hast du den Titel sauber, kannst du ihn FORMEN. Jetzt passt du den Sound an deine Referenz an. Auch das ist im Wesentlichen eine Frage von EQ-Einstellungen (mehr Mitten für mehr Direktheit, mehr Höhen für mehr Brillanz, etc.)

 

Hast du deinen Sound geformt, kommt das, was ich gern als EINSCHRÄNKEN bezeichne. Du schränkst die Dynamik und Peaks mittels Kompression ein und verleihst dem Track den gewünschten Druck. Mit einem Limiter oder entsprechend eingestellten Kompressor verhinderst du Clipping und bringst deinen Track auf die gewünschte Lautheit.

 

Um den Track ABZUSCHLIEßEN, betrachtest du die eingangs getroffenen Annahmen bzgl. Bit-Tiefe, Samplerate und Headroom, machst wenn nötig Anpassungen und kannst deinen Track eigentliche schon bouncen.

 

Für mich gehört abschließend noch ein entscheidender Schritt zum Mastering - das REFLEKTIEREN. Jetzt wo du das fertige Produkt hast, gehst du nochmal an den Anfang zurück und betrachtest deinen Plan. War dein Workflow zielführend? Hast du Filter doppelt verwendet und Sachen gezogen, die du später wieder hinzugefügt hast? Kannst du deinen Prozess noch schlanker machen und bist du mit dem Ergebnis zufrieden? Wenn nicht, geh nochmal ein paar Schritte zurück und bessere nach.

Der EQ als Allrounder

Zum Aufräumen und Formen brauchst du vor allem EQs. Wenn ich auf ein Problem wie z.B. einzelne, zu laute Bass Noten stoße, kann ich diese mit einem schmalbandigen Filter (= hoher Q-Faktor) herausziehen, bis die Noten im Bass gleich laut wirken. Dabei drehe ich den EQ erst stark rein, suche mir die störende Frequenz und ziehen dann den Gain vom Band runter, bis ich das Gefühl habe, dass es ausgewogen ist. Ebenso bei störenden Frequenzen wie z.B. spitzen Stimmlauten zwischen 1 kHz und 3 kHz oder scharfe S-Laute über 8 kHz. Hier kannst du alternativ auch einen De-Esser einsetzen. Beim Aufräumen ist es generell ratsam, Frequenzen zu ziehen und nicht zu boosten. Du wirst den gewonnenen Headroom im späteren Arbeitsverlauf brauchen, wenn wir zur Kompression kommen.

 

Beim Formen kannst du deinen Mix frei an das anpassen, was dir deine Referenz, deine Erfahrung oder einfach dein Gefühl sagt. Mehr Höhen, weniger Mitten, mehr Präsenz in der Stimme, einen volleren Bass - alles ist erlaubt, was dich ans Ziel bringt und auch hier ist der EQ oft das Mittel der Wahl. Halte dich bitte nicht an Zahlen fest. Wenn du der Meinung bist ein 3dB Boost hört sich gut an, dann tu das. Wenn es aber 6dB oder sogar 10dB mehr braucht, dann ist es Zeit nochmal in den Mix zu gehen oder dem Mixing Engineer nochmal eine neue Version abzuringen, denn dann ist der Mix offensichtlich noch unstimmig.

Die Vielseitigkeit des Kompressors

Kompression kann man auch mit zum kreativen Part zählen. Ich betrachte den Aspekt der Lautstärke und Lautheit aufgrund der Komplexität gern separat, weil ein gutes Master damit steht und fällt. Kompression im Mastering kannst du in zwei Bereiche unterteilen: Zum einen möchtest du Peaks “bekämpfen” und zum anderen Lautheit schaffen.

 

Ersteres erreichst du mittels eines Kompressors mit einem hohen Threshold (-10dB), kurzer Attack- (1ms) & Release-Zeit (90ms), hoher Ratio (3 : 1) und wenn möglich Sidechain mit Low-Cut (120Hz) und Knee auf “Hard”. Eine weiteres Tool um Peaks einzufangen sind Soft-Clipper. Im Prinzip arbeitet ein Soft-Clipper wie ein Limiter mit einer Knee-Funktion. Die Spitzen werden - einfach ausgedrückt - nicht nur abgeschnitten, sondern auch noch abgerundet. Das heißt es entsteht weniger wahrnehmbare Verzerrung.

 

Lautheit schaffst du im nächsten Schritt mit einer breiten, sanften Kompression. Niedriger Threshold (-30dB), lange Attack (120ms) & lange Release-Zeit (900ms), sehr niedrige Ratio (1.2 : 1), ein Sidechain mit Low-Cut (120Hz) und Knee auf “Soft”.

 

Abschließend kannst du sogar einen Kompressor als Limiter verwenden. Ab einer Ratio von 10 : 1 spricht man schon von einem Limiter. Schraube die Ratio nach oben, nimm einen hohen Threshold (-6dB), eine extrem kurze Attack-Zeit (<1ms) eine kurze Release-Zeit (10ms), kein Sidechain, und Knee auf “hard”. Jetzt kannst du mit dem Output Gain wieder das aufholen, was du vorher limitierst. Brauchst du noch mehr, setze den Threshold tiefer und hole das im Output Gain wieder auf. Achte dabei aber darauf, dass keine Peaks über 0dBFS clippen.

Anmerkungen und Empfehlungen

Alle hier aufgeführten Werte sind nur grobe Richtlinien! Experimentiere selber mit den Settings. Entscheidend ist am Ende: Hören, Hören und nochmal Hören. Natürlich wirst du mit EQs und Kompressoren allein nicht alle Probleme lösen können, aber schon sehr weit kommen. Neben EQ und Kompressor lohnt es sich noch, ein paar Empfehlungen auszusprechen:

 

Beim Aufräumen kannst du noch bessere Ergebnisse erzielen, wenn du einen dynamischen EQ verwendest. Der greift nicht so stark ein wie ein statischer EQ, sondern kombiniert diesen mit einem Kompressor: Erst wenn eine gewähltes Frequenzband einen bestimmten Wert überschreitet wird es komprimiert. Sehr praktisch, wenn deine Kick z.B. zu stark ist! Ähnlich arbeitet ein De-Esser. Auch hier wird ein bestimmtes Frequenzband erst bedämpft, wenn das Signal einen Schwellwert überschreitet.

 

Ein zweites für mich sehr wichtiges Tool ist der vorhin schon erwähnte Soft-Clipper. Der kommt bei mir in der Regel zwischen Kompressor und Limiter und schafft mir mehr Headroom, um noch ein bis zwei dB mehr Lautheit raus holen zu können.

Free Plugins

Das beste zum Schluss: Ein paar gute Tools abseits von EQ und Kompressor kannst du tatsächlich schon "for free" bekommen. Probiers einfach mal aus!

 

Tokyo Dawn Nova DynEQ

Venn Audio Free Clip

Melda Free FX Plugin Bundle

 

- Johannes

 

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