Blog

08 May 2020

MIXING FOR VINYL

 

 

Egal ob Hip Hop, Pop oder Metal - Wenn du deine Musik auf Vinyl veröffentlichen möchtest, lohnt es sich, im Vorfeld ein paar Gedanken auf deine Produktion zu verschwenden. Gibt es Instrumente, die sehr stark im Stereo-Panorama agieren? Gibt es stark perkussive oder scharf klingende Elemente? Wie steht es im Mix um den Bass-Bereich und was ist sonst noch so Phase? Aber fangen wir von hinten an - mit dem Schnitt.

Wie kommt die Rille ins Vinyl

Im Schneidekopf sitzen zwei Kolben in 45° Neigung zum Schnitt-Medium. Die Kolben sind mit dem beheizten Stichel verbunden, der die Rille dann in die Lackfolie schneidet. Wird dem Cutterhead ein Signal zugeführt, bewegen sich die beiden Kolben äquivalent zu den beiden Signal-Seiten links und rechts. Je lauter das Signal, desto tiefer der Schnitt.

Die Lautstärke bestimmt den Platz

Das hat Auswirkungen auf die Spieldauer. Je lauter deine Musik ist, desto mehr Platz braucht die Rille. Der Rillenabstand muss größer sein und damit wird die zur Verfügung stehende Spielzeit kürzer. 10 bis 15 Minuten sind bei einer LP (12 Inch) kein Problem. Möchtest du hingegen 20 Minuten oder mehr auf eine Seite bekommen, können dir Faktoren wie Lautstärke, Bass und Phasenlage durchaus einen Strich durch die Rechnung machen.

Bass und Phasenlage beim Vinyl-Schnitt

Trotz Frequenzanpassung (Stichwort RIAA-Kennlinie) vor dem Schnitt verbraucht der Bass- und Subbass-Bereich sehr viel Platz auf der Scheibe. Gerade hier wirkt sich Gegenphasigkeit besonders stark auf das Schnittverhalten aus. Ist das Material besonders breit gemischt, muss der Schnitt tiefer sein, um Nadel-Sprünge zu vermeiden.

Phase bedeutet die Lage der beiden Signal-Seiten zueinander. Sind die Signale der beiden Seiten identisch, also in Phase, dann bewegt sich der Cutter Head nur auf der horizontalen Achse. Sind die beiden Signale gegensätzlich, sprich gegenphasig, bewegt sich der Cutterhead nur auf der vertikalen Achse. Im schlimmsten Fall heißt das, dass einem tiefen Bauch eine flache, enge Rille folgt, was dazu führen kann, dass die Nadel des Plattenspielers aus der Rille hüpft.

Pegelspitzen und kritische Frequenzen

Kritisch wird es, wenn deine Musik im mittleren Frequenzbereich und in den Höhen starke Dynamiken hat. Die Eigenresonanz der verschiedenen Cutter Heads liegt grob zwischen 500 und 1.500Hz. Eine starke Signalspitze führt hier sehr schnell zu hörbaren Verzerrungen und im Extremfall dazu, dass die Spulen zerstört werden können. Spitzen im Oberton-Bereich lässt sich mit entsprechender Verstärkerleistung zwar auch Impuls-getreu schneiden, werden aber beim Abspielen z.T. verzerrt wiedergegeben. 

Der Stichel des Schneidekopfes ist scharfkantig. Der Schliff deiner Wiedergabe-Nadel aber abgerundet, sonst würde sie die Rille beschädigen. Das ist so lange kein Problem bis wir in die ganz hohen Frequenzen kommen. Dort kommt es zu Auslesefehlern, also Verzerrung, wenn der Radius der Rille kleiner wird als der der Nadel und diese dann einfach drüber gleitet. In Genres wie Metal, in denen grundlegend mit Verzerrung gearbeitet wird, ist das eher unproblematisch. Bei filigraner Musik wie Klassik ist das allerdings anders.

Außen und Innen

Ein wichtiger Punkt den ich noch erwähnen möchte, ist die Abnahme der hohen Frequenzen zur Plattenmitte hin. Außen hat die Nadel ca. 30cm für eine Umdrehung, in die sie die Informationen schneiden kann. Innen sind es nicht einmal mehr 12cm. Es muss also die gleiche Information auf einen kürzeren Weg geschnitten werden. Damit tritt wieder der oben erwähnte Effekt der Annäherung von Rillen- und Abtastnadel-Durchmesser ein. Verzerrung und Höhenverlust nehmen zu.

Aber was heißt das jetzt für meinen Mix?

Es ist stark davon abhängig was du für Musik machst. Ein paar generelle Tipps kannst du aber immer beachten:

Phase - Den Bassbereich solltest du in mono halten. Wie hoch du mit der Frequenz gehst ist stark vom Material abhängig, aber 150Hz dürfen es auf jeden Fall sein. Verzichte weitestgehend auf breitbandige Stereo-Elemente wie Leslie Kabinetts oder hab ein besonderes Ohr darauf. Es hilft auch schon, diese nur halb links/rechts zu pannen, um das Stereobild enger zu halten. Ist deine Musik zwingend stereo-lastig, dann hab im Hinterkopf, dass du viel Platz beim Schnitt verbrauchen wirst, da die Rille grundlegend tiefer geschnitten werden muss.

Peaks und Lautheit - Hab ein Auge auf die Mitten und scharfen Höhen. Mit dynamischen EQs oder Multiband-Kompressoren kannst du den Peaks in deinem Mix gut Einhalt gebieten. Zudem hilft es, wenn du deine Musik nicht zu stark in den Limiter drückst. -12dBiLUFS kann ein guter Startwert sein, an dem du dich orientieren kannst.

Placement der Titel - Es ist sinnvoll leisere Titel mit weniger Höhen auf die Mitte der Platte zu schreiben. Brauchst du den großen Knall zum Schluss kannst du durchaus über einen Rückwärts-Schnitt nachdenken. Eine Rarität - dabei wird in der Mitte der Platte angefangen und nach außen geschnitten.

- Johannes

Zurück