Blog

28 February 2020

MIXING IN MONO

 

Die Aufnahmen sind gemacht, du hast deine Spuren editiert und willst jetzt deinen Sound finden - dann los! Du formst jedes Instrument, legst alles im Panorama an, setzt deinen Hall drauf und bist mit jedem Sound an sich zufrieden, aber dann … Als du den gesamten Mix an machst, fällt das Kartenhaus in sich zusammen. Keine Definition, alles verwaschen, die Vocals sitzen nicht im Mix, der Bass dröhnt und von den Keys hörst du gar nix mehr. Was tun, um dieses Durcheinander zu vermeiden?

 

Zum Problem der Frequenz-Überlagerung und einem ganz anderen Gesichtspunkt, nämlich den heutigen Hörgewohnheiten der meisten Musikkonsumenten möchte ich dir einen Denkanstoß geben, der mir beim Mixen geholfen hat und dir zeigen, warum gerade dieser aus meinen Augen heute immer mehr an Bedeutung gewinnt: Mixing in Mono.

 

Und damit keine Verwirrung entsteht gleich vorab: Nein, ich möchte meine Mixe nicht in Mono halten, sondern habe natürlich einen Stereo-Mix als Ziel. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Mono-Attraktivität und das Mixing aus Mono heraus für mich aus zwei wesentlichen Gründen:

 

  1. Frequenz-Überlagerung

 

Du bist im Mono-Mix gezwungen durch Pegel und Frequenz für jedes Instrument einen eigenen Bereich zu definieren, in dem es sich nicht mit den anderen Instrumenten in die Quere kommt oder negativ überlagert. Das lässt sich, wenn man z.B. Gitarren gleich im Panorama hart rechts, links anlegt, deutlich leichter verstecken, weil es dort die räumliche Trennung gibt.

 

Geh deinen Mix Schritt für Schritt an und lege dir alle Spuren im Panorama in die Mitte - auch Stereo-Spuren. Fang mit der Rhythmus-Sektion an und forme die einzelnen Elemente. Sobald diese stehen, kannst du anfangen, weitere Elemente hinzu zu mischen. Entstehen Probleme, wenn du ein neues Instrument in deinen Mix einfügst? Nein? Sehr gut! Wenn ja, dann weißt du, dass du in dem neu Hinzugefügten einen Frequenzbereich dämpfen musst, der sich mit deinen bisherigen Instrumenten überlagert (klassisch z.B. bei Bass und Gitarre im Bereich zwischen 150 und 350Hz).

 

Wenn du deinen fertigen Sound gemixt hast, kannst du ihn in Stereo erweitern und hast einen sauberen, aufgeräumten Mix. Dessen Bestandteile sind, wenn du es mit der Stereobreite nicht übertreibst, auch auf einem Mono-Gerät abgespielt, alle noch einzeln herauszuhören. Womit wir bei der eigentlichen Problematik sind: den heutigen Hörgewohnheiten.

 

  1. Hörgewohnheiten

 

Laut der „Studie zur Zukunft der Musiknutzung 2018 – 2020“[1], publiziert im September letzten Jahres, hören fast die Hälfte (ca. 43%) der Nutzer ihre Musik direkt über ihre Smartphone-Lautsprecher, Tablets oder Smart Speaker – Geräte, denen man kein wirkliches Stereo-Bild zusprechen kann. Gerade hier macht ein Mono-attraktiver Mix Sinn. Ich schreibe ganz bewusst nicht Mono-kompatibel, weil es mir nicht ums UKW Küchenradio geht, sondern darum, einen Denkanstoß zu geben, den eigenen Mix nicht in die Überbreite zu treiben oder einzelne Elemente im Panorama zu hart aus der Mitte zu schieben. Die Entscheidung dazu ist eine Philosophie-Frage und natürlich auch stark zielgruppen- und genreabhängig.

 

Für mich und meine Arbeit stehen die Qualität und das fertige Produkt im Fokus und dafür möchte ich meinen Mix möglichst gut vorbereiten. Mixing in Mono oder Mixen aus Mono heraus kann hierfür ein gutes Mittel sein.

 

- Johannes

 

[1] https://www.musikindustrie.de/fileadmin/bvmi/upload/06_Publikationen/Sonstige/Langzeitstudie_Basisfolien_3._Welle_final.pdf

 

 

Zurück